De legibus-Blog

30. April 2012

Banken- und/oder Schuldenkrise, soziale Unruhen und Weltfrieden

Thomas Fuchs

“Da der Völkerbund die Begründung des Weltfriedens zum Ziele hat, und ein solcher Friede nur auf dem Boden der sozialen Gerechtigkeit aufgebaut werden kann,

da ferner Arbeitsbedingungen bestehen, die für eine große Anzahl von Menschen mit so viel Ungerechtigkeit, Elend und Entbehrungen verbunden sind, daß eine den Weltfrieden und die Welteintracht gefährdende Unzufriedenheit entsteht, und da eine Verbesserung dieser Bedingungen dringend erforderlich ist, zum Beispiel hinsichtlich der Regelung der Arbeitszeit, der Festsetzung einer Höchstdauer des Arbeitstags und der Arbeitswoche, der Regelung des Arbeitsmarkts, der Verhütung der Arbeitslosigkeit, der Gewährleistung von Löhnen, welche angemessene Lebensbedingungen ermöglichen, des Schutzes der Arbeiter gegen allgemeine und Berufskrankheiten sowie gegen Arbeitsunfälle, des Schutzes der Kinder, Jugendlichen und Frauen, der Alters- und Invalidenunterstützung, des Schutzes der Interessen der im Ausland beschäftigten Arbeiter, der Anerkennung des Grundsatzes der Freiheit gewerkschaftlichen Zusammenschlusses, der Gestaltung des beruflichen und technischen Unterrichts und ähnlicher Maßnahmen,

da endlich die Nichtannahme einer wirklich menschlichen Arbeitsordnung durch irgendeine Regierung die Bemühungen der anderen, auf die Verbesserung des Loses der Arbeiter in ihrem eigenen Lande bedachten Nationen hemmt,

haben die Hohen vertragschließenden Teile, geleitet sowohl von den Gefühlen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit als auch von dem Wunsche, einen dauernden Weltfrieden zu sichern, folgendes vereinbart:”

Diese einsichtigen Worte finden sich in Teil XIII, Abschnitt 1 des Friedensvertrags von Versailles (Gesetz über den Friedensschluß zwischen Deutschland und den alliierten und assoziierten Mächten vom 16. Juli 1919, RGBl. 1919 S. 687 [1269]). Sie dienen als Präambel der Regelungen zur Gründung der Internationalen Arbeitsorganisation.

Diese schlägt nunmehr mit ihrem World of Work Report 2012 Alarm. Die Arbeitslosigkeit sei weltweit drastisch gestiegen, in manchen Regionen drohten Unruhen. SPIEGEL ONLINE wertet dies als Abrechnung mit der bisherigen Strategie der Euro-Retter. Aufgrund der vorgenannten rund 100 Jahre alten Erfahrungen scheint mir darin auch guter Teil Wahrheit zu liegen.

Zitiervorschlag für diesen Beitrag:
http://blog.delegibus.com/2163

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